Die blaue Eifersucht

Eine Short-Story von Sab Schönmayr

Achtung: Echte Männer haben keine Angst vor Vibratoren! Im Gegenteil: sie kaufen einen und haben Spaß mit ihm und ihrer Freundin.

Nun zu Helmut:
Helmut war sich sicher, dass er einen Staubsauger besaß. Oder vielleicht doch nicht? Er konnte ihn auf jeden Fall nicht finden, wie sollte er auch wissen, wo die Putzfrau das Teil aufbewahrte. Und die war seit zehn Tagen krank. Seine Wohnung war total verstaubt und er musste endlich selbst Hand anlegen. Er hatte im Schrank gesucht, in der Küche, im Vorzimmer: nichts. Dann fragte er Tiziana. Doch sie schaute nur unwillig vom Bildschirm auf und schüttelte den Kopf. Der Staub interessierte sie garnicht, schließlich hatte sie morgen eine Präsentation bei einem wichtigen Kunden.
Endlich fand er ihn im Schuhschrank.
Missmutig schleifte er den Staubsauger durch die Wohnung. Jetzt hatte er sich extra den Sonntag freigehalten, um mit Tiziana ins Elsaß zu fahren. Und dannt hatte sie keine Zeit, dabei hätte er genug zu tun, nur ihr zuliebe hatte er das Wochenende freigehalten. Das Wohnzimmer hatte er schon fertiggesaugt. Jetzt noch die Küche und das Schlafzimmer.
Er machte das zum ersten Mal in seinem Leben und wenn er was machte, dann ganz genau. Kein Härchen entging ihm, und auch der Staub unter dem Bett war dran. Quadratzentimeter für Quadratzentimeter. Plötzlich stieß er auf einen harten Gegenstand. Er bückte sich und da lag er.
Ein mindestens 30 Zentimeter langer, dicker Vibrator.
Er griff sich den königsblauen Stab und strich vorsichtig darüber.
Eine Welle von Eifersucht durchströmte ihn und er fühlte sich plötzlich ganz klein und wertlos, wie damals beim ersten Wettwichsen mit seinen Schulkameraden, wo er mit Abstand verloren hatte.
Dieser Plastikpenis war so anders als seiner aus Fleisch und Blut. Größer, fester und dicker. War sie nicht zufrieden mit ihm? Warum hatte sie königsblau gewählt, war das ihr König fürs Bett und er war nur noch der Page? Verstohlen ließ er den Vibrator, nicht ohne vorher ausgiebig daran gerochen zu haben, unter dem Bett verschwinden und saugte weiter.
`Aus den Augen, aus dem Sinn´, befahl er sich.
Soll sie eben.
Verdammt.
Am Abend kam es nicht einmal zum Wochenendsex. Tiziana war erschöpft und redete nur von ihrer Präsentation. Meist war es umgekehrt. Er war erschöpft und lustlos. Hatte die letzten Meetings auf der Bank im Kopf. Zahlen. Zahlen und Zahlen.
Tiziana schlief bald ein, Helmut konnte jedoch keine Ruhe finden. Dachte an den Ersatzschwanz unterm Bett. Er spürte ihn. Die blaue Bedrohung brannte sich in seinen Rücken wie ein heißes Schwert.
Seit diesem Wochenende war für Helmut nichts mehr wie vorher. Er beobachte jede Regung von Tiziana. Und bei jedem ihrer seltenen Orgasmen achtete er wie ein Spion darauf, ob er echt war. Sollte sie wirklich so perfekt spielen können? Dagegen wäre Meg Ryans Auftritt in "Harry und Sally" reiner Dilettantismus.
Sobald er es einrichten konnte, hetzte Helmut nach Hause, um zu überprüfen, ob sie nicht etwa mit ihrem blauen Freund zu Gange war. Meist saß sie jedoch konzentriert am Computer. Sie war schön. Wie aus einem Bild von Botticelli. Ein Erbe ihrer Großmutter, die Italienerin gewesen war. Lange braune Locken umspielten das runde Gesicht mit dem sinnlichen Mund. Sie schien immer leicht zu lächeln, amüsiert, auch wenn es wirklich keinen Grund dazu gab.
Seit er mit ihr zusammen war, war er glücklich. Endlich nach Jahren. Lange hatte er keine Freundin gehabt. Einfach keine Zeit.
Der Job fraß ihn auf.
Seinen Kollegen ging es nicht besser. Dann hatte er Tiziana kennengelernt und war schnell mit ihr zusammengezogen.
Und jetzt das.
Nach Wochen schließlich konnte er den Zustand nicht länger ertragen. Er hatte sich genau überlegt wie er vorgehen würde. Entweder sie gehorchte, oder er...
"Tiziana, ich habe ihn gesehen!"
"Wen?"
"Ja, den Vibrator."
"Ach, so."
"Ich will, daß du ihn sofort in den Müll wirfst, hier vor meinen Augen."
Er hielt ihr den Mülleimer hin. Sah nicht gerade heroisch aus, wie er so dastand mit dem Eimer in der Hand.
Sie lachte nur und wandte sich wieder ihrem Apple zu.
Er kam sich betrogen, hintergangen und nicht für ernst genommen vor.
Erneut setzte er an.
"Weißt du, ich habe das Gefühl, daß ich dir nicht genüge, du findest meinen, ja meinen, du weißt schon, nicht groß genug..."
"Ach, hör doch auf, das hat doch nichts mit dir zu tun, Liebling. Ich hab zu arbeiten. Siehst du das nicht! Morgen muß ich die Prints abgeben."
Er verzog sich in sein Büro. Schließlich hatte er wichtiges zu erledigen. In der Bank hatte er die Fäden in der Hand. Hier wurde auf ihn gehört.

« Satisfaction in Paris

Dann versuchte er es mit kleinen Schikanen, entfernte die Batterien aus dem stark nach Gummi riechenden Vibrator oder schmierte ihn mit Kakao ein. Wegwerfen traute er sich ihn doch nicht.
Tiziana ignorierte seine Taten einfach.
Dann ließ er sich was anderes einfallen. Nachdem er sich beim letzten Meeting total blamiert hatte, war es höchste Zeit, zu handeln. Da war diese Geschäftspartnerin gewesen, sie hatte ein Kostüm genau in der Farbe des Vibrators getragen.
Das war zuviel für Helmut.
Wie von Sinnen starrte er unentwegt auf diesen Kostümstoff. Plötzlich wurde ihm blau vor den Augen, er stotterte und stürzte unter einem wirren Vorwand aus den Raum.
Höchst peinlich.
So konnte es nicht weitergehen, er mußte seine Eifersucht in den Griff bekommen.
Ein Kollege hatte da letztens ein Wort gebraucht, das Helmut nicht mehr aus dem Kopf ging.
Lauschangriff.
Das war`s!
Wenn er wußte, was Tiziana machte, wenn er sie sehen konnte, würde er auch seine Qualen in den Griff bekommen. Helmut war froh, daß es endlich, was zu handeln gab.
Sehangriff.
Er machte einen Spezialladen ausfindig, der all diese kleinen genialen Geräte hatte, für Spione, Voyeuristen und Polizisten natürlich.
Er kaufte eine winzige digitale Videokamera und ein Abspielgerät für die Minichips. Kostete wahrhaft ein Vermögen.
Blieb noch das Problem der Installation. Helmut war nicht gerade der Typ, der am Wochenende mit Hammer und Hobel rumspielte. Außerdem mußte er abwarten bis Tiziana für längere Zeit außer Haus war. Endlich war es soweit und sie fuhr übers Wochenende zu ihren Eltern. Zwei unvergeßlicheTage für Helmut, der mit Leiter, Bohrer und Schraubenzieher kämpfte und sich die eine oder andere erklärungsbedürftige Verletzung zuzog. Aber die Kamera war vor Ort und Stelle.
Und Helmut fühlte sich seit Wochen wieder wirklich gut. Am Montag ging er freudig zur Arbeit und hatte einen erfolgreichen Tag.
Ein Problem war nur, die Minidiscs aus der Kamera zu holen. Alle paar Tage. Eine Herausforderung, die der neue Helmut auch bestand. Im Büro, wo er das Abspielgerät im Aktenschrank deponiert hatte, sah er Tiziana zum ersten Mal.
Zugegeben, so richtig von hoher Qualität war die Aufzeichnung nicht, aber es reichte. Tiziana kam ins Schlafzimmer, offensichtlich schon sehr erregt, da sie die Hose bereits auf den Oberschenkeln hatte. Sie holte den Vibrator unter dem Bett hervor, legte sich auf den Bauch und ließ die Spitze auf ihrer Klitoris vibrieren. Zumindest vermutete er das.
Er sah nur ihren prächtigen Arsch, der sich ihm entgegenreckte und den sie wie als Aufforderung für ihn kreisen ließ. Er hatte seiner Sekretärin gesagt, daß er nicht gestört werden möchte. Trotzdem unterbrach er schnell die Mini-CD, lief zur Tür und sperrte sie ab. Dann setzte er sich wieder und öffnete die Hose. Jetzt griff sie sich zwischen den Büchern eine Tube Gleitgel, die er noch nie vorher bei ihr gesehen hatte und schmierte den blauen Konkurrenten ein. Helmut umklammerte seinen Sportsfreund etwas fester, als ihm guttat. Da gab sie noch einen ordentlichen Klacks Gel auf den Vibrator und stieß ihn in ihre Rosette. Helmut verlor vor Überraschung ein paar große Speicheltropfen auf einem wichtigen Dokument. Schon war es ihm egal. Er kam gleichzeitig mit Tiziana, die ihren Hintern frenetisch auf und ab bewegte und laut stöhnte. Dann reinigte sie den Gummischwanz mit Parfum, dem teuren 24, rue Faubourg, das er ihr zu Weihnachten geschenkt hatte. Rollte den Vibrator unters Bett und verschwand. Simultan zu ihrer Reinigungsaktion, versuchte Helmut den Speichel von seinen Dokumenten zu entfernen.
Am Abend hatte er guten Sex mit Tiziana. Er dachte an das Video und das spornte ihn an. Er steckte ihr mehr als einen Finger in den Po und sie schrie. Er bot ihr Analsex an, aber davon wollte sie nichts wissen.
Diese schöne Lügnerin.
Jeden Tag in der Mittagspause war Helmut so weit. Er holte das Abspielgerät aus dem Aktenschrank. Schloß die Tür ab und schaute Tiziana beim Wichsen zu. Er hatte jetzt auch eine Schachtel Kleenex in seiner Schreibtischschublade deponiert.
Heute war Tiziana besonders gut. Sie lag auf dem Rücken und streckte das Becken hoch. Er konnte ihre Schamlippen genau sehen. Die Klitoris mit den inneren Schamlippen sah aus wie eine schöne Blüte. Tiziana zog die Lippen auseinander wie um Helmut ihre Schönheit zu zeigen.
Er atmete schwer.
Sie streichelte sich und stieß erst kurz bevor sie kam den blauen Freund hinein. Helmut japste nach Luft und wünschte sich an die Stelle des Königsblauen. Am liebsten wäre er in Tiziana hineingekrochen. In diese warme rauhe Höhle.
Helmut war wieder glücklich. In der Arbeit lief alles bestens. Er verbrachte die meiste Zeit im Büro. Und es fehlte ihm nichts.
Er hatte Tiziana & den blauen Vibrator.

Die Frau in Rot »