Haar

"Rapunzel, lass dein Haar herunter", rief der Liebhaber seiner schönen Rapunzel mit der langen Mähne zu und kletterte an der blonden Pracht zu ihr hoch in den Turm. Was da oben passiert ist, müssen wir uns dann schon selber ausmalen, das wird uns im Märchen vorenthalten. Lange Haare, am besten noch blond und lockig, galten schon seit jeher als Schönheits- und Fruchtbarkeitssymbol. Vorgeführt wird uns das Phänomen durch die schöne Lorelei: Wenn sie auf ihrem Felsen mitten im tosenden Rhein saß und ihre güldenes Haar bürstete, verlor so mancher Kapitän die Kontrolle, nicht nur über sein Schiff, und ward nie wieder gesehen. Er vergnügte sich von nun an mit den Wassernymphen in den Tiefen des Rheins. Dichter haben das Frauenhaar immer wieder besungen, und in moslemischen Ländern hat man vor der erotisierenden Wirkung der Kopfpracht so viel Respekt, dass die Haare unter Kopftüchern und Schleiern verschwinden müssen. Locken der Angebeteten wiederum oder Haarsträhnen des Geliebten werden in Medaillons am Herzen getragen oder an anderen versteckten Orten als Teil der geliebten Person in Ehren gehalten.
Haare stehen für Schönheit und Jugend. Selten sind daher auch ältere Frauen mit einer langen Mähne. Wirkt in unserer Kultur nicht angebracht. Und Männer ohne Haare haben es meist nicht leicht, eine Partnerin zu finden, glaubt man den Kontaktanzeigen: da steht nämlich oft als Bedingung: "ohne Bart, ohne Bauch und ohne Glatze".

Siehe auch: Intimrasur, Schamhaare