Leder

Gleich nach dem Feigenblatt machte der lederne Lendenschurz in der Reizwäscheindustrie Furore. Das Material ist sinnlich, riecht gut und knarrt bedrohlich. Leder wird mit harter Männlichkeit, Militär, Cowboy, Motorrad und Sado/Maso assoziiert. Doch seit Yves Saint Laurent Anfang der Sechziger Jahre die nackte Tierhaut auf die Laufstege brachte, ist das wilde Material salonfähig geworden. Heute hat fast jeder ein Kleidungsstück aus Leder im Schrank hängen. Doch das Material wird mehr und mehr vom neuen Fetisch Latex verdrängt. Trotzdem gelten Lederslips und -Kleider immer noch als sexy und verrucht. Kein Sexshop ohne lederne Dessous im Angebot. Vor allem im Dominastudio darf ein sündiges Lederoutfit nicht fehlen und auch die meisten S/M-Accessoires wie Peitsche, Maske, Knebel, Harnesse, Halsband und Schaftstiefel sind aus Leder. S/M-Möbel sind im besten Fall mit schwarzer, nackter Tierhaut überzogen. Oft mit Nieten und Ösen garniert.
Beim Mann strahlt festes Leder Härte aus, wilder Westen, im Fransenlook. Weiches Leder lässt an Winnetous Schwester denken und angesichts einer Squaw im zarten Velours-Look, lässt sich kein Winnetou zweimal bitten, los zu reiten. Auch Schwule stehen auf Leder: die Lederschwester präsentiert sich in Chaps, Harness und Käppi in Schwarz. Das archaische Material bringt Wölbungen gut zur Geltung und glänzt verführerisch dort, wo sich was wölbt. Echte Lederfetischisten vögeln gleich in den Lederklamotten. Und auch Ledersitze und Ledercouch gelten als Luxus: zuerst spürt sich das Material kühl an, dann passt es sich der Körpertemperatur an. In der Sado/Maso-Story "Geschichte der O" von Pauline Réage, zwingt der Herr seine Geliebte, ohne Slip in einem Wagen mit Ledergarnitur Platz zu nehmen. Sie darf sich dabei nicht auf ihren Rock setzen. Sie schaudert. Und wird erregt.

Siehe auch: Chaps, Fetisch, Handschuhe, Lack, Latex, Matrosen, Military Look, Motorrad, Pelz, Samt, Sporen