Sexshops

Allein in Deutschland gibt es über 1200 Fachgeschäfte, die unter diese Kategorie fallen. Genaue Angaben gibt es allerdings keine, die Zahlen liegen zwischen 1000 und 2000. Nur eines ist verbürgt: Den ersten Sexshop Deutschlands hat die alte Lady des Sex Beate Uhse 1962 in Flensburg gegründet. Im Übrigen gibt sich die Branche, die die Kohle mit offenherzigen Damen macht, äußerst zugeknöpft. Um nicht zu sagen verklemmt. Es gibt keine konkreten Angaben oder Marktanalysen. Für Interviews stellt sich keiner zur Verfügung. Angst wovor? Denkt man etwa, dass Sex schmutzig ist? Auf jeden Fall ist die Branche stets um ein sauberes Image bemüht. Die Sexshops nennen sich "Erotik Boutique", "Venus Shop" oder gar noch ganz altmodisch "Hygieneartikel". Zu finden sind diese Läden meist in den "1b Lagen" der Innenstädte, also in der City, jedoch in der Seitenstraße etwas versteckt. Und dies aus gutem Grund. Der Kunde möchte gerne diskret hinein und wieder herauskommen. Denn drinnen ist er von den Blicken der Passanten geschützt. Kein Land der Welt hat ein derartiges Sex-Shop-Netz wie Deutschland! Selbst kleine Kreisstädte haben ihre Quelle der Lustartikel. Und da ist viel Geld und hoher Umsatz dahinter. Die Spannen im Erotikhandel sind enorm, verglichen mit dem übrigen Fachhandel. Da die Kunden oft nicht die Preise vergleichen können und/oder mit schlechtem Gewissen "unmoralisch" einkaufen, kann der Händler entsprechend mehr erlösen. Muss er häufig auch, da die Ladenmiete für einen Sex-Shop oft doppelt so hoch ist, wie für den Bäckerladen ein paar Schritte weiter. Die Hausbesitzer machen dabei auch ihren Reibach. Einige Unternehmen arbeiten als Franchise Ketten organisiert, so zum Beispiel die circa 70 Orion Fachgeschäfte des gleichnamigen Versandes. Der Beate Uhse AG gehört die Dr. Müller Kette. Es gibt 26 Uhse Shops im deutschsprachigen Raum und 120 Franchiseläden. Allen gemeinsam ist ein Sortiment, das dominiert wird von Pornofilmen und Magazinen. Erst an dritter oder vierter Stelle kommen Wäsche, Hilfsmittel (Vibratoren, etc.) und Hygieneartikel (Kondome). Jugendliche unter 18 haben keinen Zutritt. Gut zwei Drittel der Kunden sind Männer. Frauen kaufen dort eher Reizwäsche oder Hilfsmittel, während Männer auf Magazine und Filme stehen. Die Preise für manche Artikel entsprechen nicht dem Warenwert. Ein Vibrator zum Beispiel, muss nicht 20 bis 40 Euro kosten, wenn er aus einfachem Hongkong Plastik geformt ist. Leider lässt auch die Beratung im Sex Shop oft zu wünschen übrig. Angelerntes Personal kennt oft weder die Produkte, noch die wirklichen Bedürfnisse der Kunden. Hier wäre eine Schulung und Warenkunde für alle Beteiligten nützlich. Zumal die Kundschaft bekanntermaßen "Stammkunden" sind. Ladenbesitzer berichten, dass manche Kunden zwar nur monatlich oder einmal im Jahr kommen, dafür aber immer wieder genau dieses Geschäft aufsuchen. Vielleicht spielt hier auch die Angst des Verbotenen eine Rolle. Wer sich einmal überwunden hat und in eienn Sex-Shop gegangen ist, traut sich beim zweiten oder fünften Mal leichter wieder hinein. Die Atmosphäre in den Geschäften wandelt sich. Während ältere Geschäfte düster und schwülstig sind, Herren verschämt in Magazinen rumgeilen, sind die neueren Shops heller und mehr wie ein Supermarkt oder Drogeriemarkt aufgezogen. Einen völlig neuen Weg trauten sich seit 1988 die Kondomfachgeschäfte, die auch für Jugendliche ab 16 zugänglich sind und die verstärkt auf Aufklärung setzen. Seit Mitte der 90er Jahre gibt es auch Frauen-Erotikshops. Dort herrscht eine offenere Atmosphäre mit Beratung, und Frauen fühlen sich in diesem Geschäftstyp sichtbar wohler. Da können sich die traditionellen "Shopper" noch was abgucken, falls sie etwas dazulernen wollen! Und zum Dazulernen gäbe es viel! Nur ein Beispiel: Die meisten Sextoys tragen englische Namen wie Double Stud, Butterfly, Cockring, Auto-Arouser und der Normalbürger kann sich darunter nicht viel vorstellen. Die Toys sind meist aufwendig in Plastik verschweißt, der Kunde kann nichts anfassen oder ausprobieren, muss also die teure Puppe oder den Vibrator im Sack kaufen. Das Prinzip Katze im Sack vermitteln meist auch die Schaufenster, die nicht viel mehr als Glitzerfolie und ein paar verstaubte Dessous präsentieren. Für die Auslagen gibt es allerdings ganz strenge Bestimmungen, was gezeigt werden darf und was nicht, unter anderen kein erigiertes Glied, kein Dildo in Penisform und keine weibliche Scham. Die Alternative: Sexshops für Frauen gibt es in Bremen (For Ladies), Frankfurt, (InsideHer), Köln (Ladys Toys), München (Ladies First), Hannover, Hamburg (Good Vibrations) und in Berlin (Sexclusivitäten). Zwei in der Schweiz: Clit Clip in Zürich und Femintim in Rapperswil und einen in Österreich in Wien, MARG, in der Gumpendorferstraße 118. Und im Internet: www.sabasin.com.

Siehe auch: Ehehygiene, Hongkong, Kästner Versand, Kondomautomat, Uhse, Verpackung, Virtueller Sexshop