Uhse

Flensburg ist ein historischer Ort. Wenn Sie jetzt allerdings ans Punktesammeln denken, haben Sie nicht den richtigen Verkehr. Denn in Flensburg eröffnete Beate Uhse, die Old Lady des Sex, Weihnachten 1962 den ersten Sex-Shop Deutschlands. Manche sagen sogar der Welt. Der Nachname von Beate Uhse ist weltweit ein Begriff für Produkte im Bereich Sex. Doch ungewöhnlich war die Uhse schon immer: Vor und während des Zweiten Weltkriegs war sie Pilotin. Ihr Ehemann, der ebenfalls Pilot war stürzte 1944 ab. Kurz darauf flüchtete die Witwe mit dem kleinen Sohn Klaus vor der Roten Armee per Flugzeug.
Bei Flensburg kannte sie einen freien Flugplatz, landete und fand Quartier in einem evangelischen Pfarrhaus. Hier begann sie Anfang der 50er Jahre in der Sexwüste Deutschland das weltgrößte Unternehmen für Sexartikel aufzubauen. Beate Uhses erstes "Produkt" war eine kleine Aufklärungsfibel über Empfängnisregelung nach Knaus-Ogino (Abzählmethode). Die Frauen im Dorf rissen ihr die "Schrift X" genannten Kopien aus der Hand. Da machte die Uhse weiter und stellte einen kleinen Katalog mit Kondomen und Liebeslehrbüchern zusammen: Als alleinerziehende Mutter hatte sie ein Ohr für die Frauen, die ihr Briefe schrieben und auf ihre Hilfe hofften. Die Idee zum Vertrieb von "Ehehygieneartikeln" war geboren. Und der Name Uhse war zum Synonym für Ihre Tätigkeit geworden, wenngleich sie längst Rotermund hieß, nach ihrem zweiten Mann. Verlängerungskondome, Dildos, Reizwäsche und vieles mehr kamen noch hinzu. Dem Versand wurde ein Großhandel angegliedert, dann kamen eigene Shops hinzu.
Somit ist das Sexgeschäft in Europa in der Hand einer Frau, die mit einem Jahresumsatz von 80 Millionen keine kleinen Brötchen bäckt. Trotzdem wird sie bei Talkshows zum Frauentag keinesfalls als Idol der Frauenbewegung eingeladen. Denn sie ist Chefin in einer männerdominierten Branche, wo Frauen hauptsächlich in Videos und als Pin-up erscheinen, als Ware vermarktet werden. Im Laufe ihrer Karriere als Sexstar der anderen Art handelte sich die Uhse rund 2000 Strafanzeigen ein. Die Sittenwächter lauerten und lauern überall. Doch die Uhse ist ein unschlagbares Phänomen, und erst vor kurzem ging die fitte Achtzigjährige als erstes europäisches Seximperium an die Börse. Die Uhse war seit Beginn ihrer Karriere in der Branche die Pionierin schlechthin. Derzeit sind 600 Mitarbeiter damit beschäftigt die Videos, Magazine, Dessous und das Sexspielzeug in die deutschen Schlafzimmer zu bringen.
Im Angebot hat die Sexlady 5000 Artikel, präsentiert in 50 Sexshops in Deutschland und in 87 Lizenzläden. Viermal im Jahr werden ausgesuchte Produkte in farbigen Katalogen beworben, das wichtigste Werbemittel des Konzerns, die Kataloge gibt es auch am Kiosk. Und auch im Internet hat Beate Uhse die Nase vorne, denn laut Uhse, ist Multimedia die Zukunft. Die Uhse-Webpage wird im Monat Millionen Mal aufgerufen!

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