Verpackung

Außen pfui, innen na ja, könnte das Credo der Sexverpacker heißen. Wie wichtig die Aufmachung ist, erfuhr bereits der damals junge Unternehmer Erich Trabold aus Bergen Enkheim bei Frankfurt. Er fertigte Anfang der 60er Jahre als einer der ersten in Deutschland Verlängerungskondome und Vibratoren in seiner Garage. Diese verpackte er in kleinen Schachteln und bot sie der auch noch kleinen Firma Uhse in Flensburg an. Auf Anhieb erfolgreich war er eines Tages, als er innen rotes Seidenpapier und außen ein kräftiges Lila als Verpackung benutzte. Die sündige Präsentation wurde zum Renner, mitsamt dem kleinen Lustbringer innen drin. Auch Sextoys verkaufen sich besonders gut über extravagante Verpackungen. Viel Klarsichtverpackung, Plastik oder auch Karton, grelle Farben und natürlich aufreizende Produktnamen. Der grüne Punkt verdient gut dabei, denn voluminöse Plastikpackungen kosten mehr als einfache Faltschachteln aus Karton. Von Umweltschutz wollen die Hersteller noch nichts wissen. Während in den 70er Jahren noch viele Lustmittel eine hausbackene Faltschachtel zur Präsentation hatten, dominiert heute auf der Packung die sexuelle Darstellung, die oftmals mit dem Inhalt nichts gemein hat.
Meist räkeln sich da vollbusige, halbnackte Frauen mit gespreizten Beinen. Auch die Toys für Frauen sind so verpackt. Was denken sich die Hersteller dabei? Großer Nachteil im Sexshop oder beim Versand ist, dass der Kunde die Ware nicht richtig betrachten oder gar prüfen kann. Alles ist eingeschweißt und selten darf etwas geöffnet oder angefasst werden. So wurde schon mancher Verbraucher enttäuscht, als aus dem teuren Exterieur ein billiges Plastikhilfsmittel aus Hongkong heraus fiel. Qualität können Sie an der Kennzeichnung und Beschreibung erkennen. Je vager und ungenauer die Bezeichnung, desto eher handelt es sich um Scharlatanerie. Qualitätserzeugnisse tragen Kennzeichen, wie zum Beispiel das CE Zeichen oder ein VDE geprüft (Vibratoren!) Einige Produkte sind nur in englischer Aufmachung importiert worden. Falls die Behörden wirklich einmal diese Branche untersuchen würden, würden einige Kunststoffe, Metallbeschichtungen und chemischen Zusätze in Aphrodisiaka vom Markt genommen werden. Denn streng genommen handelt es sich zum Beispiel bei einem Vibrator um ein Hilfsmittel, das zeitweilig in den Körper eingeführt wird. Produkte, die in den Body kommen, unterliegen jedoch ausnahmslos der europäischen Medizinprodukteverordnung ("medical devices law"). Diese schreibt eine Zertifizierung solcher Artikel vor. Cremes, Gels und Tropfen, die in den Körper aufgenommen werden sind entweder Arzneimittel oder wirkungslose Kosmetika. Die wenigsten Aphrodisiaka sind jedoch arzneimittelrechtlich zugelassen. Das erkennen Sie ebenfalls an der äußeren Aufmachung, den Wirkstoffen und Versprechungen. Wie kaum einer anderen Branche fehlt es in der sexuellen Hilfsmittelindustrie an einer einheitlichen Deklaration und Kontrolle der Verpackungen und Inhaltsstoffe. Den Nachteil trägt der Verbraucher, der unter dem Druck, etwas "Verbotenes" zu erwerben, leichtsinnig bereit ist, viel Geld für wenig Qualität hinzublättern. Und der Markt wird sich nicht so schnell regulieren.

Siehe auch: Batterien, Müll, Sexshops